Historische Tabellenwerke





Projektbeschreibung


Die Geschichte der Geschichtsschreibung konzentriert sich auf Methodenschriften, auf Standardautoren und -werke der Vergangenheit. Dieses Projekt, basierend auf den Arbeiten im Münchener Sonderforschungsbereich 573, soll hingegen einen Blick auf die Fülle der Hilfswerke des historischen Unterrichts und der Lektüre ermöglichen. Tabellen erlaubten es, historischen "Stoff" in ein Raster aus Zeit, Raum und Kategorien darzustellen und so "auf einen Blick" — als Synopse oder Autopsie — erfassbar werden zu lassen. Diese Technik der Wissensbewältigung eines pluralisierten Bestand an historischer und chronologischer Information wirkt als epistemisches Erkenntnisraster, das Wissen kategorial verortet und diachrone und synchrone Interpretationsmuster impliziert, seit der Frühen Neuzeit bis heute in der Praxis der Geschichtsschreibung.


Korpus


Erfaßt wurden Werke aus der Zeit von 1475 bis 1850, die "historische Zeit" in tabellarischer Form abbilden, Tabellen und Texte kombinieren oder sich explizit als Kommentar zu Tabellen verstehen. Nur in Ausnahmen aufgenommen wurden z. B. Handschriften oder rein "chronologische Werke", die zwar Zahlenkolonnen tabellarisch gliedern, jedoch kaum historische Information enthalten. Bislang wurden vorwiegend Werke aus der Bayerischen Staatsbibliothek, der Universitätsbibliothek München und der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel eingearbeitet. Die Integration zusätzlicher Bestände aus anderen Bibliotheken, z. B. aus Dresden, Halle oder Göttingen, ist in Vorbereitung.


Präsentation


Die hier präsentierte Werkliste erlaubt einen bibliographischen Überblick über tabellarische Geschichtsdarstellungen. Ein Werkverzeichnis ist alphabetisch nach Autorennamen, ein zweites chronologisch nach Erscheinungsdatum geordnet. Zusätzliche Informationen zu Autor und Werk sollen helfen, in die Entstehungskontexte und Formen der Tabellengeschichtsschreibung einzuführen. Wichtig ist es, darauf hinzuweisen, dass in manchen Fällen das ganze Werk nur teilweise digitalisiert wurde, so dass dem Benützer die folgenden Ausschnitte aus den Werken zur Verfügung: Vom Titelblatt über das Vorwort bis zum Beginn der Tabellen, zeitliche Schnitte jeweils "um" die Schöpfung, Sintflut, Geburt Christi, 800, 1000, 1200, 1500 n. Chr., gegebenenfalls der Reformation. Abgeschlossen wird die Serie jeweils durch die letzte Tabellenseite, die erste Indexseite und das Schlußblatt.

Technisch wurde die Präsentation durch das Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek und die Digitalisierungsabteilung der HAB Wolfenbüttel ermöglicht.

An der technischen Umsetzung beteiligt waren Margarete Wittke, Gregor Horstkemper, Mark-Oliver Fischer, Michael Dunst und Tanja Prokic. Mit Ihren Kommentaren und Kritiken wenden Sie sich bitte an: Benjamin Steiner.



Einführende Literatur:


Brendecke, Arndt: Synopse, Segment und Vergleich. Zum Leistungsvermögen tabellarischer Geschichtsdarstellungen der Frühen Neuzeit. In: Storia della storiografia 39 (2001). S. 75—85.

Brendecke, Arndt: Tabellen und Formulare als Regulative der Wissenserfassung und Wissenspräsentation. In: Wulf Oesterreicher, Gerhard Regn und Winfried Schulze (Hgg.): Autorität der Form — Autorisierung — Institutionelle Autorität. Münster, Hamburg, London u.a. 2003. S. 37—53.

Brendecke, Arndt: Tabellenwerke in der Praxis der frühneuzeitlichen Geschichtsvermittlung. In: Theo Stammen und Wolfgang E. J. Weber (Hgg.): Wissenssicherung, Wissensordnung und Wissensverarbeitung. Das europäische Modell der Enzyklopädien. Berlin 2004. S.157—189.

Colliot-Thélène, Catherine: Chronologie und Universalgeschichte. In: Johannes Rohbeck und Herta Nagl-Docekal (Hgg.), Geschichtsphilosophie und Kulturkritik. Historische und systematische Studien. Darmstadt 2003. S. 21—49.

Hilgers, Philipp von; Khaled, Sandrina: Formation in Zeilen und Spalten. Die Tabelle, in: Pablo Schneider und Moritz Wedell (Hgg.): Grenzfälle. Transformationen von Bild, Schrift, Zahl. Weimar 2004. S. 167—189.

Völkel, Markus: Topik, Lokal- und Universalgeschichte bei Jakob Friedrich Reimmann (Gröningen 1668 — Hildesheim 1743). In: Martin Mulsow und Helmut Zedelmaier (Hgg.): Skepsis, Providenz, Polyhistorie. Jakob Friedrich Reimmann (1668—1743). Tübingen 1998. S. 230—266.

Zedelmaier, Helmut: Buch, Exzerpt, Zettelschrank, Zettelkasten. In: Hedwig Pompe und Leander Scholz (Hgg.): Archivprozesse. Die Kommunikation der Aufbewahrung. Köln 2002. S. 38—53.

Zimmermann, Monika: Die Synopse als Mittel universalhistorischer Orientierung. Eine kritische Untersuchung der Geschichtsschreibung. Göttingen, Frankfurt am Main, Zürich 1977.




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