B  2  Formen und Funktionen des Bildes in der Frühen Neuzeit – novità: Verwandlung des Alten – Hervorbringung des Neuen
(Kunstgeschichte, Wissenschaftsgeschichte)

B2 Bild
Institut für Kunstgeschichte

Postadresse: Zentnerstraße 31, 80798 München
Telefon: 089-2180-3500
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www.fak09.uni-muenchen.de/Kunstgeschichte

Projektleiter

Prof. Dr. Frank Büttner
f.bhu8@lrz.uni-muenchen.de

Prof. Dr. Ulrich Pfisterer
ulrich.pfisterer@lrz.uni-muenchen.de

Mitarbeiter

Fabian Jonietz, M.A., kooperierende Mitarbeit
fabian.jonietz@khi.fi.it

Semjon Dreiling, M.A., wiss. Mitarbeiter
semjon.dreiling@lrz.uni-muenchen.de

Maurice Yves-Christian Saß, M.A., wiss. Mitarbeiter
sass@philosophie-kunst.de

Johanna Pulz, M.A., wiss. Hilfskraft
johanna.pulz@campus.lmu.de

Stephanie Hess, M.A., wiss. Hilfskraft
stephaniehess@gmx.net

Rückschau

Vorträge der Projektleiter/Mitarbeiter

Projektbeschreibung

In der dritten Förderphase des kunsthistorischen Teilprojektes steht die Frage im Mittelpunkt, wie in den Bildkünsten der Frühen Neuzeit das 'Neue' — also: Neuerfindungen auf visueller wie thematischer Ebene, Neuordnungen des Wissens durch Bilder, Neukonfigurierungen von (ästhetischen) Werten und Urteilen — in Absetzung und im Verhältnis zur Tradition entstehen konnte. Dabei geht es nicht um das 'tatsächliche Neue' im Wandel der Bildmedien dieses Zeitraums, wie es (aus moderner 'Fortschritts-Perspektive') schon vielfach beschrieben wurde. Vielmehr soll der historische Wahrnehmungs- und Verständnishorizont von Neuem in seiner Alterität systematisch rekonstruiert werden.

Die beiden Arbeitsbereiche nähern sich dem Gesamtproblem von den zwei entgegen gesetzten historischen Extrem-Vorstellungen, wie solche novità zu produzieren sei. Deren eine, wesentlich häufiger vertretene Position rekurrierte auf tradierte imitatio-Lehren, wonach Neues aus der neuartigen und unerwarteten Selektion, Re-Kombination und Re-Semantisierung des tradierten Materials entsteht. Welche Effekte auf formaler wie inhaltlicher Ebene diese Vorstellung für die Bildkünste hatte, soll dabei am Beispiel mythologischer Bilder und Programme aufgezeigt werden und zwar exemplarisch am Beispiel der von Vasari geleiteten Bildausstattung des Palazzo Vecchio in Florenz (F. Jonietz). Bezeichnenderweise wurden diese Bestrebungen des 16. Jahrhunderts, Mythologie und Mythographie als eine allumfassende und alles erklärende Form des Welt-Wissens zu verstehen, zur gleichen Zeit zunehmend konterkariert durch Tendenzen, im Gewand der Mythen-Parodie, Mythen-Burleske und ähnlicher komisierender Formen diesen Anspruch zu brechen oder mindestens zu relativieren. Damit wird — noch ohne den umfassenden Rahmen zu verlassen — implizit doch eine neue, kritische Haltung gegenüber Tradition und Innovation sichtbar (S. Dreiling). Wobei gerade dieses Thema insgesamt daran erinnert, dass zwischen den beiden hier als gegensätzliche Extreme beschriebenen Vorstellungen historisch zahlreiche Zwischenpositionen und fließende Übergänge bestanden, die teils bewusst und überraschend im Sinne des Neuen gewählt, teils aus pragmatischen Gründen eingenommen wurden.

Die zweite Extremposition, für die sich zunächst im Laufe des 16. Jahrhunderts vereinzelte Stimmen erhoben, bestritt all diese Vorstellungen: Wirkliche novità könne allein aus 'voraussetzungsloser Innovation' resultieren — eine Sichtweise, die sich in den Jahrzehnten um 1600 erstmals zu einer intensiven Diskussion verdichtete. Mit dieser neuen Denkmöglichkeit eines radikalen Traditionsbruchs und eines absoluten Neuen (beides natürlich nicht tatsächlich, sondern nur als fiktiver Anspruch zu verwirklichen) sollte sich im Gegenzug auch das Verständnis der bisherigen, anderen Konzeptionen von novità grundlegend ändern. Bei allen diesen Auseinandersetzungen spielten die Bildkünste (etwa Annibale Carracci, Caravaggio, Bernini) und kunsttheoretische Überlegungen eine zentrale Rolle. Diese — letztlich auf die "Originality of the Avant-Garde and Other Modernist Myths" (R. Krauss) vorausweisenden — Vorstellungen von 'Neuem' untersucht der zweite Arbeitsbereich (U. Pfisterer).

Zur Projektbeschreibung der Arbeitsphase 2004—2007

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